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BGH stärkt Motorsport-Fans:

Unfallversicherung bei Track Days und Renntrainings


Ein Unfall auf der Rennstrecke kann schwerwiegende Folgen haben. Doch was passiert, wenn die private Unfallversicherung anschließend die Leistung verweigert? Eine Entscheidung des Bundesgerichtshofs soll die Rechte von Motorsport-Fans stärken.

Wer sein Motorrad oder seinen Sportwagen abseits des öffentlichen Straßenverkehrs bewegen möchte, nutzt dafür häufig sogenannte Track Days oder freie Renntrainings. Auf abgesperrten Rennstrecken können Fahrer ihre Fahrzeugbeherrschung verbessern und sich unter kontrollierten Bedingungen mit ihrem Fahrzeug vertraut machen.

Kommt es dabei zu einem Unfall, kann neben den gesundheitlichen Folgen ein weiteres Problem entstehen: Die private Unfallversicherung verweigert die Zahlung.

Ein Urteil des Bundesgerichtshofs vom 13. Oktober 2026 (Az. IV ZR 251/25, vor Veröffentlichung zu verifizieren) soll nun klarstellen, unter welchen Voraussetzungen Versicherer Leistungen bei solchen Veranstaltungen ausschließen dürfen.

Warum verweigern Versicherungen bei Track Days häufig die Zahlung?

Der Grund liegt meist in einer Ausschlussklausel der Allgemeinen Unfallversicherungsbedingungen.

Viele Versicherungsverträge enthalten Regelungen, nach denen Unfälle bei Fahrtveranstaltungen vom Versicherungsschutz ausgeschlossen sind, wenn es dabei auf die Erzielung von Höchstgeschwindigkeiten ankommt.

Versicherungsgesellschaften argumentieren häufig, dass Veranstaltungen auf Rennstrecken grundsätzlich darauf ausgelegt seien, möglichst schnell zu fahren.

Dabei spielt es aus Sicht der Versicherer teilweise keine Rolle, ob tatsächlich ein offizielles Rennen stattfindet oder lediglich ein freies Training angeboten wird.

Doch genau diese Unterscheidung kann rechtlich entscheidend sein.

Track Day oder Rennen: Wo liegt der Unterschied?

Nicht jede Veranstaltung auf einer Rennstrecke ist automatisch ein Motorsportwettbewerb.

Bei einem klassischen Rennen treten Teilnehmer gegeneinander an. Ziel ist es, eine möglichst schnelle Zeit zu erreichen oder eine bestimmte Platzierung zu erzielen.

Bei einem Track Day steht dagegen häufig das freie Fahren im Vordergrund.

Teilnehmer können ihre Fahrtechnik verbessern, ihr Fahrzeug kennenlernen oder Erfahrungen auf einer abgesperrten Strecke sammeln.

Ein offizieller Wettkampf mit Siegerehrung oder Platzierungswertung findet dabei normalerweise nicht statt.

Für die versicherungsrechtliche Bewertung kann deshalb entscheidend sein, welchen Charakter die Veranstaltung tatsächlich hatte.


Welche Bedeutung hat der Wettkampfcharakter?

Bei der Auslegung von Risikoausschlüssen kommt es wesentlich auf den Wortlaut der jeweiligen Versicherungsbedingungen an.

Enthält der Vertrag einen Ausschluss für Veranstaltungen, bei denen es auf die Erzielung von Höchstgeschwindigkeiten ankommt, muss geprüft werden, ob die konkrete Veranstaltung unter diese Definition fällt.


Dabei können insbesondere folgende Fragen relevant sein:

  • War ein offizieller Wettbewerb ausgeschrieben?
  • Wurden Rundenzeiten zur Ermittlung eines Siegers erfasst?
  • Gab es eine Wertung oder Platzierung?
  • Stand das freie Fahren oder ein sportlicher Wettkampf im Vordergrund?


Allein die Tatsache, dass eine Veranstaltung auf einer Rennstrecke stattgefunden hat, muss nicht zwangsläufig ausreichen, um den Versicherungsschutz auszuschließen.

Entscheidend ist nicht nur die Geschwindigkeit des einzelnen Fahrers

Ein wichtiger Punkt bei der rechtlichen Beurteilung ist die Unterscheidung zwischen dem persönlichen Fahrverhalten und dem Charakter der gesamten Veranstaltung.

Auch bei einem freien Renntraining versuchen manche Teilnehmer, ihre Fahrtechnik zu verbessern oder schnellere Rundenzeiten zu erreichen.

Daraus folgt jedoch nicht automatisch, dass die Veranstaltung insgesamt als Wettbewerb einzustufen ist.

Ob ein Risikoausschluss greift, muss anhand der konkreten Versicherungsbedingungen und des tatsächlichen Veranstaltungsablaufs geprüft werden.

Wann besteht Versicherungsschutz?

Die folgende Übersicht zeigt typische Unterschiede zwischen verschiedenen Motorsportveranstaltungen.

Veranstaltung

Versicherungsrechtliche Einordnung

Freie Track Days

Versicherungsschutz kann bestehen, wenn kein einschlägiger Risikoausschluss greift.

Freie Renntrainings


Entscheidend sind die Versicherungsbedingungen und der tatsächliche Veranstaltungscharakter.

Gleichmäßigkeitsprüfungen


Eine gesonderte Prüfung ist erforderlich, da nicht zwingend Höchstgeschwindigkeiten entscheidend sind.

Offizielle Rennen


Häufig vom Versicherungsschutz ausgeschlossen, sofern eine entsprechende Vertragsklausel greift.

Qualifying

Kann unter einen Ausschluss fallen, wenn die erzielte Geschwindigkeit beziehungsweise Rundenzeit wettbewerbsentscheidend ist.

Wichtig: Eine pauschale Aussage zum Versicherungsschutz ist nicht möglich. Jeder Versicherungsvertrag und jede Veranstaltung müssen individuell bewertet werden.

Was tun, wenn die Unfallversicherung nicht zahlt?

Nach einem Unfall auf der Rennstrecke sollten Versicherungsnehmer eine Leistungsablehnung nicht ungeprüft hinnehmen.

Gerade bei Track Days und freien Renntrainings kann es entscheidend sein, ob die Versicherung den vertraglichen Risikoausschluss zutreffend angewendet hat.


Betroffene sollten deshalb insbesondere folgende Unterlagen sichern:

  1. Die vollständigen Versicherungsbedingungen
  2. Das Ablehnungsschreiben der Versicherung
  3. Die Ausschreibung und Teilnahmebedingungen der Veranstaltung
  4. Informationen zum tatsächlichen Veranstaltungsablauf
  5. Medizinische Unterlagen und Nachweise über die Unfallfolgen

Anhand dieser Informationen lässt sich prüfen, ob die Leistungsverweigerung rechtlich gerechtfertigt ist.

Auch bei bereits abgelehnten Versicherungsfällen kann eine erneute Prüfung sinnvoll sein. Dabei müssen allerdings mögliche Verjährungsfristen und bereits rechtskräftig abgeschlossene Verfahren berücksichtigt werden.

Unser Fazit: Eine Ablehnung muss nicht das letzte Wort sein

Ein Unfall während eines Track Days oder Renntrainings bedeutet nicht automatisch, dass die private Unfallversicherung von ihrer Leistungspflicht befreit ist.

Entscheidend ist, welche Risiken der Versicherungsvertrag tatsächlich ausschließt und ob die konkrete Veranstaltung darunterfällt.

Gerade bei hohen Invaliditätsleistungen oder erheblichen Unfallfolgen kann eine anwaltliche Überprüfung wirtschaftlich von großer Bedeutung sein.

Ihre Versicherung zahlt nicht? Wir prüfen Ihren Fall.

Sie hatten einen Unfall bei einem Track Day oder Renntraining und Ihre private Unfallversicherung verweigert die Leistung?

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Obertor 9
36466 Dermbach, OT Stadtlengsfeld


Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Rechtsberatung. Die rechtliche Bewertung richtet sich nach den Umständen des jeweiligen Einzelfalls.

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